Zèra

12804658_1560414724249892_1363819246330077614_n* ca. 2006 – † 01. März 2016

Zèra ist das beste Beispiel für all das, was Hunde mancherorts durchmachen müssen. Sie wurde in Ungarn als Zuchthündin missbraucht, damit man beispielsweise hie in Deutschland günstige Dalmatinerwelpen online per Kleinanzeige kaufen kann. Irgendwann schien sie wohl nicht mehr gut genug für die Zucht zu sein, sodass man sie in eine Tötungsstation brachte. Zu dem Zeitpunkt war sie völlig ausgelaugt und hatte etliche Verletzungen. Woher diese stammten, mochten wir uns lieber nicht vorstellen…. in ihrem neuen Zuhause taute sie sehr schnell auf. Das ist nicht nur ihrem Menschen zu verdanken, sondern auch Hund Samson, der ihr zu verstehen gab, dass es auch tolle Menschen gibt, denen man durchaus vertrauen kann. Zèras Mensch schrieb einen wunderschönen Text zum Abschied, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Worte, die aus dem Herzen kommen.

Meine kleine Erdkröte, mein Fleckenflummi, mein Schusselchen…. meine so sehr geliebte Zèra – sie ist heute ein letztes Mal eingeschlafen…… dieses Mal ist es für immer. Begreifen kann ich es noch nicht, es fühlt sich überhaupt nicht real an. Ich wusste, dass es irgendwann in diesem Jahr an der Zeit sein würde – sie ist innerhalb der letzten Monate sehr gealtert, wurde schusseliger und schlief sehr viel mehr. Aber dass es dann doch so schnell geht, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen…

Die Kleine hatte am Morgen anscheinend einen Schlaganfall und dadurch epileptische Anfälle – und ich war nicht bei ihr… meine Eltern haben mich angerufen, um mich aus dem Unterricht zu holen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor so schnell nach Hause gerast zu sein. Und meine Kleine hat auf mich gewartet, so wie sie es in Ungarn auch getan hat…… 🙁 Mit der Nadel im Arm lag sie im November 2008 bereits im Untersuchungsraum und sollte sterben, weil die Tötungsstation überfüllt war. Ich habe sie mitgenommen, obwohl wir damals kaum miteinander zurecht kamen. Es war nur klar, dass es keine Option war, sie auf diesem verdammten Tisch zurückzulassen…. also arrangierten wir uns – und Monat für Monat wurden wir ein besseres Team. Dabei half mein anderer Hund, Samson, so sehr…er, der sie damals so liebevoll begrüßte und ihr das Leben in einer Familie beibrachte war nun auch der, der sich neben sie legte, den Kopf auf ihren Bauch, als würde er sagen wollen „Ich lasse dich auch jetzt nicht alleine.“ …. Markus, unser Tierarzt kam sofort – um 11:57 Uhr wurde ihr sanftes Kämpferherz still und sie schlief in meinen Armen ein…

Es gibt keine Worte, die beschreiben könnten, wie sehr sie fehlt. Diese Stille hier ist unerträglich. Ihr lautes „Bauarbeiter-Schnarchen“, ihr Getapse auf dem Holzboden, ihr süßes Gegrunze, wenn sie sich freut … ihr Anstupsen, während ich schreibe … ihre Nase an meiner Nase, während wir uns das Kopfkissen teilen und nebeneinander einschlafen… ja, es wird mir sogar fehlen, dass sie mir dabei manches Mal ins Gesicht geniest hat… und ich wünschte, ich könnte ihr noch ein Mal sagen „Neeeeein, Zèra, nicht den Müll!“, um sie wenige Minuten später mit der Mülltonnenabdeckung auf dem Kopf durch das Wohnzimmer spazieren zu sehen.

Nein, wir waren nie ein perfektes Team. Wir waren chaotisch, wir waren schusselig und es war wirklich nicht immer einfach mit uns beiden. Die Anzahl der verschlissenen Hundetrainer haben wir immer als Geheimnis für uns behalten – aber verdammt, wir hatten eine wunderschöne Zeit und ich habe so viele Dinge lernen dürfen. Und am Ende kommt es nicht darauf an, wie perfekt ein Hund erzogen ist oder wie stur er sich stellt, wie viele Trainer dank Hund im See oder sonst wo gelandet sind. Am Ende zählt, dass man über all das gemeinsam lachen kann. Jeder dieser Momente ist eine schöne Erinnerung – und am Ende sind es diese Erinnerungen, die für immer bleiben…

Danke für viele wunderschöne Jahre, meine Kleine…

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