Lebenshof

Geschichte
Als wir 2017 unseren Verein gegründet haben, um Tierleid aufzudecken und Lebewesen in Not zu helfen, hatten wir bereits einen Lebenshof vor Augen; solch ein Hof war unser großer Wunsch, um selbstständig helfen zu können: Oft ist es so, dass man bei Recherchen ein Tier entdeckt, dem man gerne sofort helfen würde – der ein oder andere von euch wird das sicherlich kennen. Den meisten Menschen fehlen leider die Möglichkeiten, denn wer hat schon spontan ein neues Zuhause für eine Kuh mit Kalb parat? Auch wir waren bis zum April 2017 immer davon abhängig, ob andere Vereine bzw. Lebenshöfe Platz für ein in Not geratenes Lebewesen hatten – war dies nicht der Fall, so bedeutete das für das Tier meist den Tod; früher oder später.

Als im Februar 2017, kurz nach unserer Vereinsgründung, eine Meldung in unserem E-Mail-Fach landete, dass es ein Kalb in der Nachbarschaft des Melders gäbe, welches seit Wochen schwer verletzt im Kälberiglu liegen würde, änderte sich alles. Wir fuhren zu der Adresse – sicherheitshalber schon mit Anhänger – und der Landwirt war uns gegenüber sehr offen und freundlich. Er zeigte uns bereitwilig das Kälbchen und war sichtlich froh über unser Angebot, ihm das kleine Mädchen abzunehmen, denn er sah in seinem Betrieb nicht die Möglichkeit der Genesung für sie. Ein Leben auf Spaltenboden hätte für ein junges Kalb mit zwei verletzten Hinterbeinen zu einem schleichenden Tod geführt. Feline kam mit uns und mit ihr begann die Suche nach einem Hof, auf dem wir Tieren wie ihr helfen könnten. Die Suche war nicht immer rosig, denn auch wir wären fast auf die Nase gefallen. Deshalb die Bitte von uns: Wenn ihr ein Zuhause für ein Lebewesen sucht, schaut es euch bitte ganz genau an und lasst euch nicht das Blaue vom Himmel erzählen! Zum Glück wendete sich das Blatt für uns, und unsere Suche hatte im April 2017 ein Ende. Wir fanden die Landwirte Ernst und Andreas, die längst aufgehört hatten, selbst Rinder zu halten. Ihre Stallungen verpachteten sie seit Jahren an konventionelle Landwirte. Dass der Landwirt, der zu dem Zeitpunkt die Stallungen nutzte, seinen Betrieb einstellen wollte, war unser Glück. Es war der Beginn unseres kleinen Lebenshofs, der nun ein Ort für jene sein soll, die der “Nutztierindustrie” entkommen konnten.

Umbau
Als wir im November 2017 den großen Stalltrakt übernommen haben, war dieser noch ein typischer Laufstall mit einer Fläche von rund 250 m², die jedoch kaum von den Tieren genutzt werden konnte, da überall Liegebuchten eingebaut waren. Während die Liegeflächen betoniert sind, bestand die Lauffläche aus Spaltenboden, welcher die Reinigung vereinfachen sollte. Hinzu kam ein Melkstall, in dem acht Tiere gleichzeitig gemolken werden konnten.
Wir haben hier Bilder für euch, die den Stall zeigen, wie er vor uns in Benutzung war:

Wir haben nach Übernahme des großen Stalls die Liegebuchten in der Mitte entfernt, damit wir auf dem Beton eine großzügig mit Stroh eingestreute Liegefläche errichten können. Die aus Spaltenboden bestehende Laufflläche wurde mit dicken, rutschfesten Gummimatten abgedeckt und mit Streu bzw. Stroh bedeckt. Der Melkraum wird aktuell (Stand 07/2018) zu einem Aufenthaltsraum umgebaut. Viele weitere Arbeiten stehen noch an. Abschließend möchten wir euch zeigen, wie der Stall nun heute von den Rindern genutzt wird.

Lebenshof? Gnadenhof?
Abschließend möchten wir noch eine Frage beantworten, die uns oft gestellt wird. Warum bezeichnen wir uns als Lebenshof und nicht als Gnadenhof, obwohl es im Prinzip aufs Gleiche hinausläuft? Wir haben uns bewusst für den Begriff Lebenshof entschieden, denn Gnadenhof ist ganz schön irreführend: Sind wir wirklich gnädig mit Tieren, denen wir das Leben schenken? Oder geben wir ihnen damit nicht einfach nur das zurück, was ihnen sowieso zustehen würde? Die historische Bedeutung des Begriffs Gnade basiert auf der Vorstellung, dass Gnade nur unaufgefordert von Autoritäten vergeben werden kann. Auch heute begegnet uns der Begriff oft in der Justiz, wenn man einen Schuldigen begnadigt. Aber sind die Tiere schuldig? Nein. Tiere werden in ihre Situation hineingeboren und sind uns Menschen hilflos ausgeliefert. Sie werden eingesperrt und umgebracht ohne dass sie jemals schuldig waren – es gibt also keinen Grund dafür, ein Tier zu begnadigen. Der Begriff Lebenshof impliziert, dass die Tiere auf einem Lebenshof das bekommen, das ihnen sowieso zusteht: Leben, Freiheit, Respekt, Freundschaft und noch so viel mehr.

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